Amazon Bewertungen prüfen – wie erkenne ich Fake-Rezensionen auf Amazon?
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Unternehmen, die Produkte auf Amazon verkaufen, sind auf positive Bewertungen angewiesen. Doch nicht immer entsprechen diese der Wahrheit. Viele Amazon-Shops setzen auf gekaufte Bewertungen – oder sie bewerten Mitbewerber negativ, um sich einen unfairen Vorteil zu verschaffen. Beide Vorgehensweisen sind verboten.
Doch wie lassen sich solche Fake-Reviews erkennen? Vorneweg: die EINE, 100 % sichere Methode existiert nicht. Trotzdem gibt es Kriterien, die bei der Prüfung von verdächtigen Amazon-Reviews helfen. Welche das sind und wie sie als Unternehmer gegen Fake-Bewertungen vorgehen können, erfahren Sie in diesem Artikel.

Amazon-Bewertungen prüfen – das Wichtigste in Kürze
Gefälschte Rezensionen verstoßen gegen die Amazon-Richtlinien. Darunter fallen z. B. Produktbewertungen, die von Unternehmen gekauft wurden.
Auch das Bewerten von Konkurrenten ist auf der Website verboten.
Amazon kann solche Produktbewertungen löschen und Sanktionen gegen den Amazon-Shop erheben – bis zu einer Sperre des Kontos.
Dazu drohen rechtliche Konsequenzen, wenn Bewertungen gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) verstoßen.
Unternehmen, die solche Rezensionen auf Verkaufsplattformen posten oder in Auftrag geben, müssen mit einer kostspieligen Abmahnung rechnen. Auch Gerichtsverfahren und Schadensersatz-Ansprüche von geschädigten Mitbewerbern sind möglich.
Ob eine Rezension authentisch oder gefälscht ist, lässt sich auf verschiedene Arten ermitteln. Neben der manuellen Prüfung kommen heute Review-Checker zum Einsatz. Die Analyse kann dabei helfen, den Rechtsverstoß zu dokumentieren.
Warum werden Bewertungen bei Amazon gefälscht?
Amazon-Bewertungen spielen eine wichtige Rolle für die Kaufentscheidung von Kunden. Es verwundert daher nicht, dass viele Shops versucht sind, ihr Ranking künstlich zu verbessern. Im einfachsten Fall werden Bewertungen vom Shop-Inhaber selbst verfasst. Auch Mitarbeiter, Freunde und Familienmitglieder könnten Amazon-Reviews schreiben und die Produkte in einem positiven Licht darstellen.
Einen Schritt weiter gehen Agenturen, die Amazon-Bewertungen verkaufen. Die Vorgehensweise ist dabei meistens gleich: Bezahlte Tester erhalten Geld (oder andere Anreize) dafür, dass sie ein Produkt positiv bewerten. Shops wiederum können mehrere hundert Reviews am Stück kaufen. So lässt sich die Durchschnittsbewertung schnell „aufpolieren“.
Natürlich werden auf Amazon nicht nur positive Bewertungen gefälscht. Auch negative Fake-Reviews sind denkbar – etwa, um gegen unliebsame Konkurrenz vorzugehen. Wer die Produkte von Mitbewerbern negativ bewertet, kann deren Vertrauenswürdigkeit untergraben und die eigene Marktposition stärken.
Sind Fake-Bewertungen auf Amazon verboten?
Gefälschte Amazon-Bewertungen sind gleich aus mehreren Gründen verboten. Sie verstoßen nicht nur gegen die Richtlinien von Amazon, sondern auch gegen geltendes Recht.
Richtlinien der Website
Amazon verfolgt das Ziel, nur unvoreingenommene Bewertungen von echten Menschen zu veröffentlichen. Das Versandhaus hat darum eine Reihe von Richtlinien aufgestellt. Verboten sind u. a.:
Interessenskonflikte
Nicht jeder Kunde darf jedes Produkt auf Amazon bewerten. Dazu gehört beispielsweise der Inhaber des Amazon-Shops. Hier würde ein Interessenskonflikt vorliegen: Inhaber haben ein finanzielles Interesse daran, Produkte positiv zu bewerten, was ihre Objektivität einschränkt. Aus diesem Grund sind auch Produktbewertungen durch Freunde, Angehörige, Mitarbeiter, Geschäftspartner und andere nahestehende Personen verboten.
Rezensionen gegen Geld
Amazon-Shops dürfen Kunden keine Anreize bieten, um Produkte positiv zu bewerten. Diese Richtlinie wurde 2016 noch einmal verschärft. Davor war es erlaubt, Kunden ein Produkt vergünstigt oder gratis zuzuschicken und im Gegenzug um eine Bewertung zu bitten. Kunden wiederum mussten diesen Fakt in ihrer Bewertung offenliegen. Solche „Incentivized Reviews“ sind heute kategorisch verboten – es sei denn, sie werden im Amazon Vine Programm verfasst.
Artikel von Konkurrenten bewerten
Laut den Amazon-Bewertungen für Verkäufer ist es ausdrücklich verboten, die Produkte eines Mitbewerbers negativ zu bewerten. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Produkt tatsächlich gekauft wurde. Verstöße gegen diese Richtlinie können nicht nur zu einer Sperre des Kontos führen. Amazon behält es sich auch vor, rechtliche Schritte gegen den Verfasser einzuleiten.
Geltendes Recht in Deutschland
Bereits für die Bewertungen von Privatpersonen gelten in Deutschland strenge Regeln. Noch strenger ist der Gesetzgeber jedoch, wenn Bewertungen von Händlern stammen oder von diesen in Auftrag gegeben wurden. Dann nämlich gilt das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG).
Gegen das UWG verstoßen u. a. Verkäufer, die
ihre eigenen Produkte bewerten und damit Verbraucher in die Irre führen
positive Amazon-Bewertungen kaufen und veröffentlichen lassen, ohne dass dieser Fakt offengelegt wird.
schlechte Bewertungen zu Mitbewerbern verfassen, um deren Geschäft zu schädigen.

Beachten Sie, dass UWG und Amazon-Richtlinien in vielen – jedoch nicht in allen Punkten – übereinstimmen.
Ein Beispiel: Nach geltendem Recht dürfte ein Unternehmen gekaufte Bewertungen posten, sofern ein entsprechender Hinweis vorhanden ist. Die Bewertung muss eindeutig als Werbung gekennzeichnet werden. Dies ist auch der Fall, wenn der Rezensent das Produkt als Gegenleistung für seine Bewertung erhält.
Auf Amazon wäre die Rezension dennoch verboten. Einzige Ausnahme ist das Vine-Programm. Dort können Tester Produkte kostenlos erhalten und anschließend bewerten.
Wie kann ich Fake-Bewertungen auf Amazon erkennen?
Manuelle Überprüfung – Bewertungen kritisch lesen
Auch in Zeiten von KI-Tools empfiehlt es sich, fragwürdige Amazon-Bewertungen selbst zu analysieren. Der Grund: Fake-Reviews folgen oft einem bestimmten Muster. Form und Inhalt unterscheiden sich deutlich von authentischen Rückmeldungen. Konkret sollten Sie nach folgenden Merkmalen Ausschau halten:
Textlänge und Inhalt
Viele Fake-Reviews sind sehr kurz und allgemein gehalten. Dazu gehören z. B. Aussagen wie „alles super!“ oder „schlechtes Produkt!“. Natürlich ist viel Text noch keine Garantie für eine ehrliche Bewertung – vor allem nicht, wenn das Produkt in den höchsten Tönen gelobt wird. Liest sich eine Bewertung eher wie eine Werbebotschaft, spricht das gegen ihre Echtheit.
Datum der Bewertung
Kann ein Produkt bereits kurz nach dem Marktstart zahlreiche Bewertungen vorweisen, sollten Sie skeptisch sein. Das gilt vor allem dann, wenn sich die Bewertungen auf den langfristigen Gebrauch beziehen.
Verifizierter Kauf
Das Label „verifizierter Kauf“ weist nach, dass der Käufer das Produkt bei Amazon erworben hat. Dies erhöht die Glaubwürdigkeit der Bewertung. Hundertprozentige Sicherheit bietet das Label jedoch nicht – schließlich sagt es nichts darüber aus, ob die Bewertung authentisch oder voreingenommen ist. Fake-Rezensenten könnten das Produkt zwar auf Amazon gekauft, den Kaufpreis jedoch vom Verkäufer zurückbekommen haben.
Duplikate
Verfasser von Fake-Bewertungen möchten sich so wenig Arbeit wie möglich machen. Darum werden Reviews oft auf mehreren Websites gepostet. Um herauszufinden, ob dies der Fall ist, können Sie den Text (oder einzelne Passagen) der Bewertung in die Google-Suchleiste kopieren. Setzen Sie den Text in Anführungszeichen. Anschließend zeigt Google Übereinstimmungen mit bereits vorhandenen Beiträgen an.
Historie des Bewerters
Auch Informationen zum Käufer selbst können Aufschluss geben. Hat dieser z. B. ausschließlich positive 5-Sterne-Rezensionen verfasst, liegt der Verdacht nahe, diese wären gekauft. Ebenso verdächtig sind 100 % 1-Stern-Bewertungen. Ein authentischer Bewertungsdurchschnitt liegt dagegen bei 4,2 bis 4,5 Sternen. Positive und negative Rückmeldungen wechseln sich ab.
Automatische Überprüfung – Review Checker für Amazon-Bewertungen
Natürlich müssen Sie heute nicht mehr jede Amazon-Bewertung manuell prüfen. Stattdessen stehen sog. Review Checker zur Verfügung. Diese Programme untersuchen Bewertungen auf Merkmale wie Text-Inhalt und Form, das Profil des Bewerters und die Bewertungs-Historie. Anschließend erstellen sie einen „Score“, der zeigt, wie verdächtig eine Bewertung ist.
Zu den beliebtesten Review-Checkern gehören:
ReviewMeta
ReviewIndex
TraceFuse
Der Vorteil dieser Tools liegt auf der Hand: Sie sparen viel Zeit. Review-Checker bieten die Möglichkeit, komplette Produktseiten in nur wenigen Minuten zu überprüfen. Anschließend werden alle verdächtigen Bewertungen angezeigt.
Auf der anderen Seite stehen einige Nachteile:
Auch Review-Checker machen Fehler. Nicht selten werden authentische Reviews als Fake eingestuft, weil sie den Kriterien der KI nicht entsprechen. Dazu kommt, dass diese Kriterien von Software zu Software unterschiedlich sind. Bewertungen, die bei Review-Checker A gut abschneiden, könnten bei Review-Checker B gnadenlos durchfallen.
Manche Review-Checker geben lediglich den Score an. Sie verraten jedoch nicht, wie dieser zustande gekommen ist. Das macht es schwierig, die Entscheidungsfindung der KI nachzuvollziehen.
Die Anzahl der deutschsprachigen Review-Checker ist überschaubar – vor allem, seit die Software FakeSpot 2025 eingestellt wurde. Viele Review Checker sind ausschließlich für den englischsprachigen Markt verfügbar.
Aus diesen Gründen empfehlen wir: Verlassen Sie sich nicht zu 100 % auf Review-Checker! Sie können einen ersten Anhaltspunkt geben, die manuelle Prüfung jedoch nicht komplett ersetzen.
Prüft Amazon alle Rezensionen vor der Veröffentlichung?
Das Problem gefälschter und gekaufter Bewertungen ist Amazon bekannt. Bereits 2021 löschte die Website mehr als 200 Millionen dieser Fake-Bewertungen (Quelle: heise.de). Außerdem geht Amazon gerichtlich gegen Agenturen vor, die Rezensionen verkaufen.
Um Fake-Rezensionen zu erkennen, setzt Amazon vermehrt auf KI-Technologie. Alle Reviews werden vor der Veröffentlichung automatisch geprüft. Dabei spielen bereits genannte Faktoren wie Textlänge, Nutzerprofil und Kaufverhalten eine Rolle – ebenso wie die IP-Adresse und Netzwerkinformationen.
Beachten Sie jedoch: Manuell geprüft werden Rezensionen vor der Veröffentlichung nicht. Dies wäre bei der Fülle an Beiträgen auch gar nicht möglich. Ein Check durch Amazon-Mitarbeiter erfolgt entweder stichprobenartig oder wenn die Rezension von Kunden bzw. Mitbewerbern beanstandet wird.
Wie können Unternehmen gegen gefälschte Amazon-Bewertungen vorgehen?
1. Bewertung an Amazon melden
Wenn Sie der Meinung sind, dass eine Bewertung gegen Amazons Richtlinien verstößt, können Sie die Bewertung auf der Website melden. Käufer klicken dafür auf den Link „Melden“ unterhalb der Bewertung. Anschließend muss der Grund gewählt werden – z. B. „Gefälscht“.
Verkäufer wiederum finden eine entsprechende Option in der Verkaufszentrale (Seller-Central). Alternativ können Sie den Amazon-Support kontaktieren und weitere Beweise wie Screenshots vorlegen. Verdächtige Aktivitäten (z. B. ungewöhnlich viele 5 Sterne-Reviews in kurzer Zeit) lassen sich so dokumentieren.
2. Juristische Hilfe in Anspruch nehmen
Leider beobachten wir, dass Amazon nicht immer auf Löschanfragen reagiert. In diesem Fall sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Als Rechtsanwaltskanzlei mit Fokus auf IT- und Medienrecht wissen wir genau, welche Amazon-Bewertungen gelöscht werden müssen – und setzen diesen Anspruch für unsere Mandanten durch.
Dabei nutzen wir je nach Fall das passende Rechtsmittel. Wurden Sie z. B. von einem Konkurrenten negativ bewertet? Dann können wir mithilfe einer Abmahnung oder einstweiligen Verfügung erwirken, dass der Rezensent seine Fake-Bewertung löschen muss. Falls Ihnen ein nachweisbarer wirtschaftlicher Schaden entstanden ist, kann auch ein Anspruch auf Schadensersatz bestehen.
Sie möchten Ihren Ruf schützen und negative Fake-Reviews entfernen lassen? Dann kontaktieren Sie uns noch heute für eine kostenlose Erstberatung.
E-Mail: reputation@dein-ruf.de
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